Elijahs Vergangenheit

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Elijahs Vergangenheit

Beitrag  Elijah Sharman am 25.10.09 20:48

29. Nasune 2340, Voltair/Voltair

Elijah saß nervös auf dem Stuhl. Er starrte den Schreibtisch vor sich an und fummelte an seiner Krawatte herum. Er hob kurz seinen Kopf, und sah wie die beiden Bankangestellten leise diskutierten und immer wieder einen Blick herüberwarfen. Er hätte nicht herkommen sollen. Er würde nur im Knast landen.
Er spielte mit dem Feuerzeug in seiner Hosentasche. Er klappte es auf und zu. Auf und zu. Dann kam der eine der Beiden zurück. Elijah hielt die Luft an. Er sah sich schon in den Armen der Security.
„Nun, Mr. Sharman, das ist also das Schreiben Ihres Vaters?“
Elijah nickt langsam und versuchte einen seriösen Blick aufzusetzen. „Ja, in der Tat.“
„Dürfte ich noch mal Ihren Ausweis sehen, Mr Sharman. Nichts für ungut, reine Sicherheit. Es ist sonst nicht die Art Ihres Vaters einen seiner Arbeiter oder… Söhne herzuschicken.“
„Natürlich, reine Sicherheit“ Elijah lächelte den Mann, der sich ihm vorhin als Mr. Sunshine vorgestellt hatte, mit einem falschen Lächeln an. Danach klappte er den Aktenkoffer auf, und händigte Mr. Sunshine seinen Ausweis aus. Er spürte den kalten Angstschweiß auf seiner Stirn, die Krawatte schien ihm den Hals zuzudrücken. Mr Sunshine erwiederte das unechte Lächeln und ging zurück hinter die halb-durchsichtige Trennwand.
Elijah wusste nicht, wie lange er, vor Angst schwitzend, mit Atemnot, auf diesem kleinen, unbequemen Stuhl hockte. Er versuchte weiterhin seriös zu wirken, doch es gelang ihm nicht mehr sehr gut. Die Bank war eigentlich hübsch hässlich. Goldener Kitsch, fette, reiche Menschen die Zigarre rauchten, alle Bankangestellten mit dem gleichen, gespielten Lächeln und dieser Mief von frischen Banknoten und Bodenreinigungsmittel.
Nun kam der andere, etwas korpulentere Angestellte auf Elijah zu, und legte ihm den Zettel vor, der ihm zwanzig Minuten zuvor von Elijah überreicht wurde. „Das ist also die Unterschrift ihres Vaters“ – „Nein, die habe ich natürlich gefälscht,“ antwortete Elijah spöttisch, „Wenn Sie möchten, können Sie Mr Sharman senior aber auch gerne belästigen, er freut sich sicher wenn er in seinem Meeting mit dem Firmenvertreter von Lucena gestört wird, wo er doch nicht mal die Zeit fand um selbst sein Geld abzuheben.“
Elijah fasste in die Tasche und hielt ihm sein Telefon hin „Der Anruf geht auf mich, das möchte ich keinesfalls verpassen.“
Der Bankangestellte musterte Elijah. Eine derartig freche, und zugleich überzeugende Art hatte er lange nicht mehr gesehen. Der junge Mann wurde von seinem Vater anscheinend gut erzogen, er wirkte fast so seriös wie sein Vater. Wenn auch nur fast. Er überlegte kurz, und winkte dann Mr Sunshine zu sich.
„Veranlassen Sie, dass Mr Sharmans Geld aus dem Tresor geholt wird.“
Elijah fiel ein Stein vom Herzen. Es hatte geklappt. Als er zwei Stunden zuvor an seinem Schreibtisch saß, und versuchte die Unterschrift seines Vaters bis zur Perfektion zu fälschen, hätte er nicht gedacht dass es wirklich funktionieren würde. Er lächelte den Angestellten an, und diesmal war es ein erleichtertes, ehrliches Lächeln.
Als Elijah zehn Minuten später die Bank grinsend, und um 150 Riesen reicher verließ, dachte er nach, wie er nun schnellstmöglich nach Labrador kam. Das Angebot würde nicht mehr lange stehen. Und wenn er der Erste war, konnte er möglicherweise den Preis noch drücken.
Er nahm sich ein Taxi und fuhr direkt zum Raumhafen. Nach Hause konnte er nicht noch einmal. Die Buchhalter seines Vaters würden bald Alarm schlagen. Und dann würde er mehr verlieren als nur sein Geld.
Als er am Raumhafen angelangt war, suchte er nach einer Mitfahrmöglichkeit. Als er diese gefunden hatte, sah er noch ein letztes Mal hinaus auf Voltair. Er wusste, hier würde er nicht mehr willkommen sein.
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Pro Life

Beitrag  Elijah Sharman am 09.11.09 19:34

3. Jaruza 2323, Imperium/Last Change/Last Change/Colorado

Elijah ging durch die große Eingangshalle, alles war aus Marmor, nur zwischendurch blickte eine Goldverzierung hervor. Sein künftiger Schwiegervater pflegte die gleiche Lebensweise wie sein richtiger Vater. Das sollte Elijah nur recht sein, dann hatte er gleich zwei alte Säcke die er abzocken konnte. Doch darum ging es ihm nicht. Jedenfalls nicht diesmal. Der Grund, für sein heutiges Erscheinen, war die junge Frau rechts auf dem Portrait, vor dem er gerade stehen blieb. Ihr braunes Haar und ihre braunen Augen harmonierten wunderbar, ihr Körper war einfach atemberaubend, und ihr Lächeln wohl das warmherzigste im ganzen Universum. Elijah sah sich in der Empfangshalle um, und fragte sich, wozu ein Familienanwesen wie ein Hotel eingerichtet sei. An der Art Rezeption saß nur ein alter Mann, der ihn immer wieder misstrauisch beobachtete. Elijah lächelte ihm zu und setzt sich dann auf ein Ledersofa. Er nahm das Feuerzeug aus der Tasche der Lederjacke und klappte es auf. Danach klappte er es wieder zu. Und auf. Und zu. Das Räuspern und der warnende Blick des alten Mannes ließen Elijah inne halten. „Entschuldigung“ murmelte er, und steckte das Feuerzeug weg. Er lehnte sich zurück und starrte in die Luft. Dann räusperte sich der alte Mann ein weiteres Mal.
„Mr Sharman, Mr Hiloh wäre nun bereit Sie zu empfangen.“ – „Danke“ – „Nichts zu danken.“
Elijah spürte dass die Höflichkeit des alten Mannes nur gespielt war, was vermutlich daran lag wie er ihn musterte. Okay, die Kombination einer Lederjacke, einer beigen Hose, eines Hawaiihemdes und einer Krawatte mag eigenwillig sein, aber Aufmerksam erregt man damit. Außerdem reichte das Gehalt seines Nebenjobs nicht für neue Klamotten, also nahm er was er hatte. Ein weiterer Grund möglichst schnell einen zweiten reichen Vater an der Leine zu haben.
Während Elijah den langen Gang entlang ging, konnte er spüren dass er beobachtet wurde. Lag es an dem alten Rezeptionisten, oder an den Kameras, die unauffällig in die Dekoration eingearbeitet wurden? Elijah musste schmunzeln. Eine Kamera in der Blumenvase rechts, eine andere im Türspion links. Auffällig unauffällig. Er ging direkt auf die schwere Eichentür auf, klopfte kurz an und stieß sie dann auf.
Als der Schlag in seinem Magen landete quollen ihm fast die Augen aus den Höhlen. Er schielte keuchend nach oben. Man konnte dem Bodyguard ansehen, dass es ihm Spaß machte, selbst wenn man weder Augen, noch Gesichtszüge sehen konnte. Langsam fuhr er mit seinem Arm zurück um noch mal auszuholen, Elijah schloss die Augen.
„Schluss damit. Wir sollen ihn doch nicht umbringen.“
Umbringen? Hatte er gerade richtig gehört? Der Bodyguard stellte Elijah wieder gerade hin, was dieser mit einem aufstöhnen quittierte. Er hielt sich den Magen und sah zum Schreibtisch. Dort saß ein bulliger Mann, bei dem man nicht unterscheiden konnte, ob es Fett oder Muskeln waren, die ihn so wuchtig erscheinen ließen. Er hatte ein Glatze und grobe Gesichtszüge. Der dunkle Anzug den er trug war ein Kontrast zu seiner weißen Haut. Seine Hände hatte er vor sich auf dem Schreibtisch liegen.
Elijah konnte nichts sagen. Er hatte Angst. Der Mann richtete sich langsam auf.
„Du bist also der nächste Nichtsnutz der denkt, er könnte meine Tochter ausnutzen?“ – „Ich nutze sie nicht a…“
Der nächste Schlag landete in Elijahs Magen, der kurz aufschrie.
„Regel Nummer Eins in diesem Büro: Nicht sprechen so lange du nicht aufgefordert wirst.“
Elijah nickte leicht, stand nach vorne gebeugt und hatte das Gefühl sich gleich übergeben zu müssen.
„Im Gegensatz zu anderen Nichtsnutzen, die ich einschüchtern habe lassen, bist du der Erste, den ich hierher einlade. Du kannst nun entscheiden, ob es eine Zweifelhafte Ehre ist oder nicht. Tatsache ist dass du anders bist.“
Elijah schwankte leicht während der massige Typ vor den Schreibtisch trat und seine Arme verschränkte.
„Du bist nur noch nicht tot weil Vanessa mich gebeten hatte, es nicht zu tun. Ausdrücklich. Meine Tochter kann Männer einfach um den Finger wickeln, aber das weißt du ja“ – „Wo ist sie?“ – „Du missachtest Regel Nummer Eins. Aber entschuldigen wir das für den Moment. Sie befindet sich im Moment in der Hauseigenen Abtreibungsklink.“
Elijah durchzuckte ein Stich im unteren Körperbereich. Er dachte schon der Bodyguard hätte ihn abgestochen, doch es waren nur seine Eingeweide die sich verkrampften. Er sah langsam zu Hiloh auf.
„Sie hat mich zwar gebeten, dir nichts davon zu sagen, aber es wäre doch kein richtiger Triumph wenn du heute außer deiner Verlobten und deiner Wohnung nicht auch noch dein Kind verlieren würdest.“
Elijah blickte fassungslos drein. Der Fette wollte ihn sicher nur verarschen. Er liebte Vanessa doch… und das war schließlich alles was zählte.
„Ich liebe sie…“ – „Ja, das sagen sie alle.“ – „Nein, ich liebe sie wirklich…“ – „Das Gespräch können wir beliebig lang weiterführen. Aber ich denke nicht dass du ein guter Mann für meine Tochter wärst, geschweige denn ein guter Vater für meine Enkel. Sieh dich an, Elijah Robert Sharman. Du bist 17, hast in Last Change einen Kellnerjob, keine finanziellen Referenzen und Kleidungsstil wohl auch eher nicht. So jemand verliebt sich nicht einfach in meine, nebenbei, um fünf Jahre ältere, Tochter.“ – „Sie verstehen doch gar ni…“
Diesmal schlug ihm der Bodyguard mit aller Kraft in den Rücken, so dass Elijah krachend auf die Knie fiel. Elijah hatte Tränen in den Augen und stütze sich mit den Händen auf dem Boden ab.
Hiloh beobachtete ihn kurz und grinste dann „Vanessa sagte zwar, dass ich dich nicht töten soll, von verprügeln sagte sie nichts. Aber genau in diesem Moment wird deine Wohnung ausgeräumt, dein Job gekündigt und dein Bankkonto gelöscht. Das passiert nun mal mit Kellnern, die denken, bei den Großen mitspielen zu können.“
Elijah stöhnte auf „Ich liebe sie wirklich…“
„Halt die Klappe. Du hast 24 Stunden um Last Change zu verlassen. Kontaktiere meine Tochter nicht mehr, sonst werde ich böse. Ich bin doch sonst so ein gutmütiger Mensch.“ –
„Ja, merke ich Fetty“ murmelte Elijah, und bereute es im nächsten Moment, als er auf die Beine gerissen und gegen eine Bank gedrückt wurde, wo ihm der Bodyguard mit einem Unterarm gegen den Hals drückte.
„Das ist kein Fett. Muskeln würden dir auch mal gut stehen Mr Sharman.“
Elijah japste verzweifelt nach Luft und versucht dem Bodyguard zwischen die Beine zu treten, was allerdings keinerlei Wirkung zeigte.
„Verschwinde einfach. Und lass dich nicht mehr blicken. Schließlich habe ich es meiner Tochter versprochen.“
Der Bodyguard ließ Elijah los, dieser keuchte und wich dann zur Tür zurück. Er öffnete sie langsam, und ging unter dem amüsierten Blick von Fatty langsam nach draußen. Am Gang ging er zuerst langsam los, dann schneller, und schließlich rannte er durch das Haus auf den Eingang zu. Er rannte, und hörte nicht auf zu rennen, bis er am Hafen von Colorado stand. Er musste ein Frachtschiff seines Vaters finden, und zurück nach Voltair. Er hoffte er würde die Geschehnisse hier bald vergessen. Fatty, Vanessa und… sein Kind. Er rannte auf eines der Frachtschiffe zu, die gerade abladen ließen. Er würde es sicher bereits in zwei Monaten vergessen haben. Dachte er.
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